|
Gaufest
„Petrus muss ein Bayer sein und wenn nicht, dann hat er ein großes Herz für die bayerische Trachtensache“, dieses Fazit zog ein überglücklicher Sebastian Ott, Festleiter des Trachtenvereins „D`Wendlstoana“ Bruckmühl. Auch am dritten Tag der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der Bruckmühler Trachtler erstrahlte ein weiß-blauer Himmel über dem Mangfalltal. Für leichte Abkühlung im gleißenden Sonnenlicht sorgte ein leichter lauer Wind. So herrschten auch am dritten Tag nach dem großen Eröffnungskonzert und dem Gauheimatabend beim 87. Trachtenfest des Inngau-Verbandes optimale Rahmenbedingungen. Über 5000 Trachtlerinnen und Trachtler aus ganz Oberbayern und weit über tausend Zuschauer am Straßenrand und auf den Bürgersteigen feierten mit den Bruckmühlern ein zünftiges Brauchtumsfest. Einziger kleiner Wermutstropfen waren zum Ende des Festzuges ein paar Regentropfen, die aber von vielen als willkommene Abkühlung angenommen wurden und die gute Stimmung nicht im Geringsten beeinflussten. „Für die aufwendige und teils harte Arbeit über mehrere Monate können wir heute die Früchte ernten“, freute sich Trachtenvorstand Edmund Neumaier junior zu Beginn des Kirchenzuges.
Mehrere tausend Trachtler füllten den idyllischen Park mit alten Schatten spendenden Bäumen beim oberbayerischen Volksmusikarchiv. Den Festgottesdienst umrahmte musikalisch der Bruckmühler Kirchenchor mit einer Bläsergruppe.
Pfarrer Hansgeorg Schepping richtete zuerst ein paar persönliche Worte an die Gottesdienstbesucher, für die er Beifall erhielt: „Ich hoffe, dass ihr auch mit mir feiern wollt, obwohl ich kein richtiger bayerischer Pfarrer bin und auch die Bräuche nicht von den Wurzeln her kenne“. In seiner Predigt ging er auf die Tradition ein, mit der hohe Werte des Lebens in der Gemeinschaft von einer Generation an die nächste weiter gegeben werden: „Wir brauchen keine folkloristische Touristikbewegung, keine Modepuppen die sich wie auf dem Laufsteg bewundern lassen und keine Marionetten von gesellschaftlichen Entwicklungen und Zwängen“. Die Trachtensache als solche bezeichnete er als wertvolles Geschenk und Gut, mit der der Kontakt zu den Wurzeln des bayerischen Brauchtums aufrecht gehalten wird.
Nach der Segnung der restaurierten Vereinsfahne endete der Festgottesdienst mit „Großer Gott wir loben dich“ und der „Bayernhymne“. Der Festzug startete pünktlich um 14 Uhr bei fast 30 Grad und zog sich in fünf Zügen quer durch die Marktgemeinde. Eigens aus Washington D.C. (USA) war eine kleine Delegation des Schuhplattler-Vereins „Alt-Washingtonia“ unter der Führung von Michael Leggett angereist.
Die bunten Vereinsfahnen und Vereinsstandarten sowie viele unterschiedliche Trachtengewänder von Dirndl und Frauen, Burschen und Mannsbildern bildeten ein farbenfrohes und stimmungsvolles Bild, das von den Zuschauern am Straßenrand mit viel Applaus bedacht wurde.
Neben den Trachtlerinnen und Trachtlern von über 41 Vereinen und Abordnungen wurden vor allem auch die 21 Musikkapellen sowie die 30 prunkvollen Festwägen mit prächtigen Aufbauten und Kutschen samt Ehrenwägen bestaunt.
Eine wahre Rarität und Augenschmaus war neben einem Festwagen mit Weberei ein Ochsengespann mit Heuwagen vom „Bochmo“ (Familie Mehringer) aus Ginsham. Das 1911 von einem Wagner und Schmied aus Meisterhand erbaute Prachtexemplar wurde eigens für das Gaufest wieder aus einem Schupfen geholt und im Originalzustand aufgebaut. Flankiert wurden die beiden imposanten Ochsen von Landwirtschaftspersonal, teils barfüßig, in der damals typischen Arbeitskleidung. Das Gesamtbild zeigte den Zuschauern authentisch, wie vor 100 Jahren in Bayern die Heuarbeit erledigt worden ist. Die Mitglieder des Trachtenvereins „D`Wendlstoana“ Bruckmühl zeigten frei nach ihrem Vereinsgruß „Lustig samma, lustig bleima“ mit dem Festzug fast zwei Stunden lang ein lebendiges Stück Lebensart Bayern mit all seinen wunderbaren Facetten. Das zünftige Ende eines rund herum gelungenen und viel beachteten Inngau-Trachtenfesten bildeten die Ehrtänze und Ehrplattler auf der großen Bühne im Festzelt hinter dem Rathaus. Aufsehen erregten dabei die Bruckmühler Trachtler mit der gekonnten Darbietung des „Kronentanzes“ mit 18 Paaren.
Torsten Neuwirth |